Alles nackt

Alles nackt

Noemi Lakmaiers Performance „Undress / Re-dress“ im HAU

Noemi Lakmaier trägt eine Perlenkette, einen Gürtel, einen Rock, Stiefel – zu sehen ist alles in zweifacher  Ausführung. Während der eine Haufen rechts von ihr fein sortiert und gefaltet neben ihr liegt, wartet die linke Seite bereits auf ihre Anhörung. Mechanisch, symmetrisch und akribisch wird in Noemi Lakmaiers Performance „Undress / Re-dress“ gewirtschaftet. Lakmaier wird von ihrem Mitperfomer Markus Heinicke, den sie für diese drei Tage geordert hat, jeweils für vier Stunden am frühen Abend entkleidet und wieder angezogen, wieder an und wieder aus und wieder an und wieder aus…

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Raum im Raum, Auge in Auge © Petra Klabunde

Zwischen dem Unbehagen, das sich bei mir bemerkbar macht, hält sich mein Auge an diesem Ordnungssystem von Symmetrie, Mimik, Gestik und Kleidung fest. Die Konzentration rückt auf mich zurück, in diesem Raum, der, wie mir scheint, auch in zweifacher Ausführung stattfindet: Ich hinter meiner Fotokamera, mir gegenüber ein Besucher mit Fotokamera. Und dann, nach und nach, ein Defilée der Typen. Der Herr mit Bart, das Kind im Pulli, der Programmierer, der Popstar und seine Freundin, die Ethiklehrerin, die Garderobejungs, der Geruch, die Hitze – alles ist total nackt.

Gelacht hat niemand, im Gegenteil: Es blieb stumm. Die  Mundwinkel der Anderen hatten sich fest in ihre Gesichter gemeißelt. Das Fleisch drang in den Hintergrund, zwischen Symmetrie und Überwachung.

Nach drei Tagen Disziplin und Entfremdung ließ die „Democratic Disco“ hoffen. Die Menschen zappelten, knutschten, lachten. Und morgen, morgen gehe ich wieder arbeiten, asynchron.