Posts by: Lukas Gmeiner

WÜRDE ich so nicht schreiben

WÜRDE ich so nicht schreiben

Die Menschenwürde bleibt eine Floskel, solange sie die Betroffenen nicht einfordern. Ein Plädoyer für politisches Inklusionstheater Es war ein erfrischend befreiender Perspektivwechsel, den ich im Gespräch mit Kerstin Grassmann und Norbert Müller erlebte. Nicht zuletzt ein Denkanstoß in Sachen Inklusion: Fühlten sich von dem Begiff nicht schon immer eher Menschen angesprochen, die ohnehin im alltäglichen Kontakt mit Menschen mit Behinderungen stehen? Und nicht die Politik? Die hat anscheinend mit dem Grundgesetz Art. 1 und der UN-Konvention ihre Arbeit eingestellt. (mehr …)
Wahlsieger

Wahlsieger

Bei der "Democratic Disco" – Bericht eines Durchhalters Es ist 11.57 Uhr, als ich das erste Mal aufwache. Die vergangene Nacht rauscht noch sanft durch Körper und Kopf – mit schmerzfreien Lücken. (mehr …)
Willkommen in der Wirklichkeit

Willkommen in der Wirklichkeit

Kerstin Grassmann und Norbert Müller über Kunst und Christoph Schlingensief, Freiheit und Agathe Chions "Ich liebe dich, du teure Freiheit" "Normalerweise lassen wir Leute nicht so schnell in unser Haus. Man weiß ja nicht, wer da kommt und was der zuletzt mitgehen lässt", sagt Kerstin Grassmann nach kurzer Begrüßung mit rauchtiefer Stimme. "Aber Agathe meinte, es ist okay", fügt sie hinzu. Agathe Chion ist die Regisseurin von "Ich liebe dich, du teure Freiheit!", in dem Grassmann und Norbert Müller groß aufspielen. (mehr …)
Hoffnungsloses Katz-und-Maus-Spiel

Hoffnungsloses Katz-und-Maus-Spiel

Was ist "ein Hörstück zum Sehen"? Theater Thikwas "Vogelfrei" bei NO LIMITS Aus dem Off eine Stimme. Sie gibt Feldpositionen vor: "3B", "5A", "2 grün", "9A", "-3". Bestimmend führt sie ihre Spielfiguren und gibt die Bewegungen vor. Höhnisch lacht sie über die Figuren, wird herrisch, sobald sie das Kommando über die Gruppe zu verlieren scheint: "RUHE!" Kurze Stille tritt ein, bis aus der Gruppe jemand beginnt, mit dem Hocker über das graue Karree der Bühne zu rutschen und die anderen ihm folgen. (mehr …)
Wie Regentropfen in der Themse

Wie Regentropfen in der Themse

"Fat" von und mit Pete Edwards musste ausfallen – ein Video und der Regisseur vermittelten dennoch einen verstörend intensiven Eindruck von der Performance Eigentlich sollte die Einladung von Pete Edwards Performance "Fat" zu einem der Höhepunkte von NO LIMITS werden – kurzfristig musste es wegen einer Erkrankung des Künstlers abgesagt werden. Stattdessen wurde die Videoaufzeichnung der Performance gezeigt für alle, die von der Absage nicht rechtzeitig erfahren hatten: Das waren vier Leute des Festival-Teams und drei Zuschauer_innen, wobei eine stillschweigend mitten im Video verschwand und nie wieder zurückkehrte. (mehr …)
Im Meskalinrausch

Im Meskalinrausch

Agathe Chions "Ich liebe dich, du teure Freiheit!" im Ballhaus Ost Ohne irgendwie das Bedürfnis zu verspüren, Agathe Chions "Ich liebe dich, du teure Freiheit!" intellektualisieren zu wollen, gar zu müssen, fiel im kurzen Plausch mit Musiker Sébastien Alazet (fünf Sterne!) der Name William Blake. Eigentlich benötigte ich dringend Hilfestellung, die Musik zu beschreiben. Gib mir ein Genre! Ich bekam Blake. Aber beginnen wir von vorne. (mehr …)
Was zählt

Was zählt

Das internationale Theaterfestival NO LIMITS mit Künstler_innen mit und ohne Behinderung ist gestern in die sechste Runde gegangen. Das Ziel des seit 2005 alle zwei Jahre stattfindenden Festivals? "Uns abzuschaffen", sagt Festivalleiter Andreas Meder seit 1997, dem Beginn seiner Arbeit auf dem Gebiet integrativer Theaterfestivals. Sein Augenzwinkern nicht zu vergessen – Meders Antwort  ist ein beliebtes Zitat, oft das einzige, dass es in eine Berichterstattung schafft. (mehr …)
Kritikwürdig

Kritikwürdig

Ein Manifest Was ist eine Theaterkritik? Laut Rowohlt-Theaterlexikon Band 1 ein "beschreibender, interpretierender, einordnender und wertender, auch glossierender Bericht über einen abgeschlossenen, nur bedingt wiederholbaren Vorgang auf der Bühne nach subjektiven Kriterien". Wichtigste Voraussetzung: die "Kenntnis der Produktionsweisen des Theaters allgemein und in verschiedenen Zentren". Problem und steter Vorwurf sei "die Frage nach den Kriterien eines Urteils. Sie können immer nur jeweils neu aus der Differenz von Absicht und Ausführung, Anspruch und Ergebnis nach eigener Sicht und (auch weltanschaulicher) Überzeugung des Kritikers vom 'Richtigen', seiner Erwartung an das Theater, die sich auch in Forderungen an die Bühne artikuliert, gewonnen werden." (mehr …)