Besser als Karate

Schauspieler im Fokus: Heiko Fechner von RambaZamba

 

Heiko Fechner © Julia Dettke

Schnell und rhythmisch faltet er die eine Serviette, die noch vom Mittagessen auf dem Tisch in der RambaZamba-Kantine liegengeblieben ist: auf und zu, auf und zu, die spitzen weißen Enden fein säuberlich gegeneinander, immer wieder. „Mit solchen Routinearbeiten war ich früher in der Behindertenwerkstatt beschäftigt, tagaus, tagein. Davon hatte ich nach sieben Jahren die Nase voll und habe gesagt, dass ich was anderes machen will! Mein Betreuer hat sich dann umgehört und mir von diesem Theater erzählt – ich dachte, angucken kann ich’s mir ja mal…“

Seit 2009 spielt Heiko Fechner jetzt bei RambaZamba. Meist macht die Arbeit ihm Spaß, auch längere Textpassagen kann er sich leicht merken: „Ich hab‘ ja auch schon immer Liedtexte auswendig gelernt und hab‘ da meine Technik, das hilft mir jetzt natürlich. Anstrengend kann an den Proben eher die zwischenmenschliche Ebene sein. Aber wenn mich einer anbrüllt, lass ich mir das natürlich nicht lange gefallen!“

Er ist einer, der sich durchsetzen kann und im Zweifelsfall zu verteidigen weiß, das merkt man schnell. Sogar gegen einen Angriff in der U-Bahn hat er sich mithilfe der Bühnenerfahrung schon erfolgreich zur Wehr gesetzt. „In Pankow hat ein Nazi mit einem Messer vor mir herumgefuchtelt – da hab ich ihn mit meinem Teufelsblick aus der Rolle angesehen, hab‘ ihm ein paar Zeilen entgegen geschleudert, und er ist weggerannt!“

Der gefährliche Blick stammt aus der Inszenierung „Etwas über die Heiterkeit an trüben Tagen“, die hier auf dem Festival als Geschichte des bösen Friedrich beim „Prinzip Struwwelpeter“ zu sehen war. Fechner beeindruckt darin an der Seite Sven Normanns als wild rebellierender Teenager.

Das Stück gefällt ihm auch wegen der Alltagstauglichkeit als Selbstverteidigungstechnik besonders gut: „Ich würde am liebsten gar nichts anderes mehr spielen!“ Außerdem kann er sich mit seiner Rolle des Kumpels von Friedrich, der diesem in punkto Gewaltbereitschaft um nichts nachsteht, gut identifizieren: „Ich kenn das selbst: Wenn jemand zum Beispiel einfach meinen Rollstuhl nimmt und mich irgendwo parkt, werd‘ ich auch ziemlich wütend!“ Nachdenklich fügt er hinzu: „Das steckt doch in jedem Menschen drin. Wichtig ist eben, die Aggressionen nicht gleich auszuleben, davon handelt ja auch das Stück!“ Mit seinen Zuschauern ist er dabei nicht immer zufrieden: „Leider wollen viele im Theater ja nur unterhalten werden, die Aussage dahinter ist ihnen egal, die verstehen dann nichts!“

Deshalb schätzt er die Arbeit mit Regisseur Kay Langstengel besonders: „Er übt mit uns zum Beispiel die Bildbetrachtung, dazu erfinden wir Fantasiegeschichten. Dabei lernen wir, Kunst richtig zu verstehen. Und zwar nicht für andere, sondern für uns!“ Und wer würde es schon wagen, ihm das nicht zu glauben?