Kritik

Ein einsamer Vogel in der Stille der Nacht

Ein einsamer Vogel in der Stille der Nacht

Das Bremer Blaumeier Atelier erzählt den Mythos von "Orpheus & Eurydike" Kreischende Wesen in grell-orangenen Kleidern schwirren um Orpheus herum, der reglos am Fluss sitzt und ins Nichts starrt. Mänaden sind es (wörtlich etwa "die Rasenden"), welche ihn im Namen des Weines, der Fruchtbarkeit und der dionysischen Ekstase dazu verlocken wollen, sich dem gegenwärtigen Moment hinzugeben, darin zu versinken. (mehr …)
Wie Regentropfen in der Themse

Wie Regentropfen in der Themse

"Fat" von und mit Pete Edwards musste ausfallen – ein Video und der Regisseur vermittelten dennoch einen verstörend intensiven Eindruck von der Performance Eigentlich sollte die Einladung von Pete Edwards Performance "Fat" zu einem der Höhepunkte von NO LIMITS werden – kurzfristig musste es wegen einer Erkrankung des Künstlers abgesagt werden. Stattdessen wurde die Videoaufzeichnung der Performance gezeigt für alle, die von der Absage nicht rechtzeitig erfahren hatten: Das waren vier Leute des Festival-Teams und drei Zuschauer_innen, wobei eine stillschweigend mitten im Video verschwand und nie wieder zurückkehrte. (mehr …)
Hallo Dunkelheit

Hallo Dunkelheit

Das szenische Konzert "Sound of Silence" mit Jan Plewka erkundet den Kosmos Simon&Garfunkel Ein Bandmitglied nach dem anderen betritt die dunkle Bühne. Gekleidet in schwarz, mit dickem Buch unter dem Arm. Jeder setzt sich auf seinen Platz. Einer knipst das Tischlämpchen an und liest: 29. Oktober 1964, Brooklyn, drei Uhr Morgens: "Hallo Dunkelheit, mein alter Freund..." (mehr …)
Wenn die Masken fallen

Wenn die Masken fallen

"Just fake it" von Joe, Jack und John aus Kanada jongliert mit Identitäten "Wollen Sie, dass ich mich ausziehe?" – "Ja." Gerade beginnt die Tänzerin, sich ihr Shirt über den Kopf zu ziehen, da klappen die drei Jury-Mitglieder schon stirnrunzelnd ihre Notizblöcke zusammen und lassen sie allein auf der Bühne zurück. "Rufen Sie uns nicht an. Wir melden uns dann...", schicken sie ihr noch hinterher. "Es gibt kein Ich. Es gibt nur ein Ich in Bezug auf die ganzen Arschlöcher um mich her!", sagt sie wütend. (mehr …)
Los Frauen, vögelt sie, vögelt sie!

Los Frauen, vögelt sie, vögelt sie!

RambaZamba rockt mit "Am liebsten zu dritt" Inklusion auf ihrer Hausbühne "Ihr habt ein Problem: Ihr habt kein Herz. Was ihr nicht gebrauchen könnt, werft ihr in einen großen Fluss, wo alles schwimmt und fault. Ab jetzt regiert die 'Drei'!" Bluttest, Abtreibung, Impotenz: Die "Drei" haben die Schnauze voll. Sie sind zehn Menschen, die stolz ein dreifaches 21. Chromosom besitzen. Ihr Plan: Sie überfallen ein Hotel, nehmen die Gäste gefangen und zwingen die Männer zum Sex. Um die Welt mit Down-Syndrom-Babys zu überfluten. Denn: "Wir haben beschlossen, dass wir nicht mehr aussterben!" (mehr …)
Im Meskalinrausch

Im Meskalinrausch

Agathe Chions "Ich liebe dich, du teure Freiheit!" im Ballhaus Ost Ohne irgendwie das Bedürfnis zu verspüren, Agathe Chions "Ich liebe dich, du teure Freiheit!" intellektualisieren zu wollen, gar zu müssen, fiel im kurzen Plausch mit Musiker Sébastien Alazet (fünf Sterne!) der Name William Blake. Eigentlich benötigte ich dringend Hilfestellung, die Musik zu beschreiben. Gib mir ein Genre! Ich bekam Blake. Aber beginnen wir von vorne. (mehr …)
Niemand weiß

Niemand weiß

"Borderlines" von Panaibra Gabriel Canda: Ein Tanzstück aus Mosambik im Hau 3  Tiergeräusche und Streichquartett. Vier Menschen balancieren über vier Steine. Vorsichtig wächst die kleine Brücke durch den Raum. Von einer Wand zur anderen, im blauen Licht, setzt sie sich nur langsam fort, weil immer der Letzte über alle anderen an die Spitze steigt. Ein mühsamer, schmerzhafter Prozess. An der Wand wächst ihr Schatten wie ein Baum auf weiter Ebene. Die Brücke aber fusst nicht auf sicherem Grund. (mehr …)
Wahr oder falsch?

Wahr oder falsch?

"Dançando com a Diferença" am HAU als Eröffnungsgsveranstaltung des NO LIMITS Festivals Nebel wabert über der leeren Bühne, auf deren Boden Lichterketten ausgebreitet sind – als sei ein sternklarer Nachthimmel hier ausgeschüttet worden. Vorsichtig mit den Füßen tastend sucht sich ein Mann – zunächst nur als Schatten erkenntlich - vom hinteren Bühnenrand her den Weg nach vorn. (mehr …)
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