Downie Disko

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Mirco Kuball spielt in „Das große Glück“ sich selbst und mit Erwartungen

Eine Biographie ist etwas wundersames. Da wird ein Widersprüchlich-kurios-mal-so-dann-so-Menschenleben in eine Ordnung gebracht. Eine fiktionalisierte Biographie einer tatsächlich existierenden Person ist etwas noch wundersameres. Da wird nämlich Tatsache und Täuschung gleichermaßen in diese Ordnung verflochten. So am wundersamsten geschehen bei „Das große Glück“ von Kirsten Burger, Mikko Gaestel und Johannes Müller. Dieser Film von 2015, zum Abschluss von No Limits im Theater RambaZamba gezeigt, thematisiert die Biographie von Mirco Kuball. Halb dokumentarisch, jedenfalls höchst ästhetisiert begleitet die Kamera den Schauspieler mit Down Syndrom zum Zahnarzt, ins Theater und zu sich nach Hause auf das Familienschloss in der Downie Street.

Exquisites Beispiel einer fiktionalisierten Filmbiographie

Downie Street! Richtiger Reichtum! Ein Chauffeur namens Disko David, ein überaus plastisches Familiengrab, ein Leben zwischen Massage und Restaurant. Non-Fiction, also Tatsache ist jedenfalls, dass Kuball 1973 geboren wurde, zunächst im Hotel, dann im Büro und schließlich im Theater gearbeitet hat bzw. letzteres noch immer tut. Als freier Schauspieler ist er im Theater RambaZamba genauso tätig wie für Fernsehproduktionen auf RTL. Darüber hinaus schreibt er für das Magazin Ohrenkuss und hat laut der auf deren Hompage veröffentlichten Biographie eine „manchmal ungezogene Hündin namens Maria“. Im Filmportrait „Das große Glück“ ist Kuball als Mirco Kuball zu sehen.

So sitzt Kuball im edlen Restaurant und spricht unermüdlich über das Theater, die Kunst, das Leben und den Tod. In genauso langsamen Bildfolgen sehen wir immer neue opulente Räumlichkeiten des Schlosses oder verfolgen eine Autofahrt im schweren Es-muss-wohl-ein-BMW-sein. Draußen laufen die Rehe davon, drinnen sitzt Kuball und erzählt von sich. Mal mehr ernst und mal mehr verschmitzt und immer überaus genau. Der 60-minütige Film ist ein exquisites Beispiel einer fiktionalisierten Filmbiographie. Was nämlich Fakt und was Fiktion ist an der ganzen Sache, das ist weitaus weniger interessant als die Präsentation eines Menschen, der viel Geld hat und gerne eine Liebe hätte. Oder ist es am Ende so, dass die fiktionalisierte Biographie gar kein Sonderfall der Biographie ist? Dass also die Ordnung einer jeden Biographie auf der Fiktion einer Trennung von Tatsache und Täuschung basiert? Wahrscheinlich eher schon.