"Du Spast"

„Du Spast!“, habe ich mal mit zehn zu meiner Mitschülerin K. gesagt. K. schaute mich pikiert an: „Weißt du überhaupt was das bedeutet?“ „Immer diese Ökos, politisch korrekter Mist“, dachte ich. Dachte ich lange. Dachte ich bis vor zehn Tagen. Politisch-korrekte Attitüde. Doch inzwischen muss ich zugeben, dass es nicht nur um eine sprachliche Spitzfindigkeit für hysterische Sozialpädagogen geht. „Behindert“ und auch „Spast“ werden als Schimpfwort missbraucht und tragen eine derartig negative Konnotation in sich, dass sich kaum einer mehr traut, „behindert“ in seiner ursprüngliche Bedeutung zu gebrauchen, schon gar nicht schriftlich. Doch verwendet man Begriffe wie „anders begabt“ und „Die Anderen“ nicht eher fürs eigene Gewissen als dafür, Behinderte wertneutral zu beschreiben? „Wertneutral“, wenn ich das schon höre.


Auf dem NO LIMITS Festival sagen das meist genau die Personen, die keinen näheren Kontakt zu Behinderten haben. Das Personal oder die Betreuer hingegen, die regelmäßig mit Behinderten arbeiten, rufen: „Rollis bitte zu den Fahrstühlen“, ein Betreuer sagt neben seinen behinderten Darstellern „meine Kloppis“. Die haben verstanden, wie er das gemeint hat und sich in keiner Form beleidigt gefühlt. Sondern gelacht. Das zeigt eine natürliche Vertrautheit, die nicht erst sprachlich beweisen muss, dass sie kein Problem mit Behinderten hat. Wenn dieses „Thema“ aber zum THEMA ausufert und absolut humorfrei diskutiert wird und der Eiertanz der politisch korrekten Formulierungen beginnt, wird’s beleidigend, auch wenn’s noch so gut gemeint ist. Wer bitte will schon ein schwieriger Fall sein?