Durch die Nacht mit…

Durch die Nacht mit…

Das „Eins, zwei, drei“-Festival im Festival geht in die zweite Runde. Nachdem am Eröffnungsabend im Mittelpunkt der Tanz stand, gibt es diesmal einen bunten Abend quer durch alle Sparten.

Leider musste die Vorstellung von Gari Gardener und Ian Johnstons Dancer kurzfristig abgesagt werden. Als Ersatz präsentiert Dennis Seidel seine erste Regiearbeit „Ordinary Girl“, von der es bereits beim Symposium „wen kümmerts, wer spricht 2“ einen Ausschnitt gab. Der Hamburger ist ein besonderer Performer. In einer kuriosen Mischung aus Method Acting, Improvisation und trashigen Musicaleinlagen entführt er uns mit seiner hypnotisierenden Art in die stets mondbeschienene Welt von Jolina, der Modedesignerin aus Miami. Lachen und Weinen liegen beim Zuschauen nah beieinander. Das liegt vielleicht an der entwaffnenden Ironiefreiheit Seidels, die aber nie humorlos ist.

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Neele Buchholz und Corinna Mindt © Holger Rudolph

Das nachfolgende Tanzduett von den Choreographinnen und Tänzerinnen Neele Buchholz und Corinna Mindt: ein Traum in Rosarot. Wie schon bei den beiden Duetten am Vortag treten die Tänzerinnen im Partnerlook auf und erzählen in ihrer Performance „Rosa sieht Rot“ von einer Reise durch Europa. Mit Rollkoffern, Landkarte und Regenschirm ausgestattet, tanzen sie dabei spielerisch durch die Höhen und Tiefen einer Freundschaft on the road.

Hinterm Kleiderständer

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Luc Loots beim Räumen © Holger Rudolph

Gleich im Anschluss folgt der der dritte und letzte Teil des theatralen Abendprogrammes, das, verglichen mit dem vom Vortag, weniger lebendig, sondern ein bisschen schläfrig daherkommt. „A strange play“ haben Tibaldus en andere hoeren im Gepäck. Das belgische Kollektiv, das schon mit ihrer Inszenierung „Horse. An opera“ beim Festival aufgetreten war, präsentiert nun eine Soloperformance des Mitglieds Luc Loots. Strange, indeed. Wir sehen einen Mann, der den Versuch macht, sich auf der Bühne einzurichten. Hinter einem Kleiderständer, der an das Bühnenbild von Seidel erinnert, zieht er allerhand Möbel hervor, testet sie auf ihre Kompatibilität, räumt auf und um. Dabei hat er die seltsame Gewohnheit einzuknicken, oder nein, einzunicken. Das Publikum fühlt sich abgeholt und ist amused.

Nicken, Wackeln, Shaken

Wer sich nach den ganzen Träumereien und Nickerchen nun nach ein wenig Bewegung sehnt, schüttelt die müden Glieder zu den Beats der belgischen Hip-Hop-Künstler von Choolers Division aus. Ihre energetische Mischung aus verschiedensten musikalischen Einflüssen bringen Theaterleute, Publikum, Blogger*innen wie Pressedamen zum ausgelassenen Nicken, Wackeln und Shaken.

Ein tapferes Häuflein bleibt,  um sich vorm richtigen Schlafengehen noch die letzten Reste Energie (oder was sonst in ihnen schlummern mag) bei der Dance-Karaoke von Culture Device Dance Project aus dem Leib zu tanzen. Von dieser britischen Company wird übrigens morgen beim letzten Teil des „Eins, zwei, drei“-Festivals im Theater Ramba Zamba die Inszenierung „Stop making sense“ zu sehen sein.

1 Kommentar

  1. Festivalrauschen #7: Die Höhepunkte der Blog-Redaktion - NO LIMITS · 16. November 2015

    […] absolutes Highlight des diesjährigen No Limits Festivals ist „Ordinary Girl“ von Dennis Seidel. In langsamen assoziativen Szenen ist ihm als Modedesignerin Jolina eine […]