„Es gibt nicht genug Platz für alle auf der Erde“

„Es gibt nicht genug Platz für alle auf der Erde“

De Utvalgte / Die Auserwählten eröffnen das No Limits 2015 im HAU2

Ohne die 3D-Brillen wäre das Bühnenbild nicht zu sehen: Inmitten der „Black Box“ schwebt die Erde, umsäumt von unzähligen Lichtpunkten. Ein paar Teleskope sind auf sie gerichtet, während eine Erzählerin eine Liste von Dingen reizitiert, die dort aufzufinden sind: „die Aprikosenbäume gibt es, die Farne gibt es und Brombeeren gibt es. Und den Wasserstoff.“

Die norwegische Theatergruppe „De Utvalgte“ nutzt in ihrem inklusiven Theaterstück „Die Auserwählten“ effektvolle 3D-Film-Projektionen, um uns in die unermesslichen Weiten des Kosmos und der „menschlichen Formen“ hineinzuziehen. Es geht um Sex, Kinder kriegen, Selbstermächtigung und biblische Stoffe, wie die Arche Noah. Nicht genug Platz für alle gäbe es, kokettiert ein Darsteller der Theaterkompagnie, die gleichermaßen aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht, mit seinem Maschinengewehr. Wer werden die Auserwählten sein? Und wer wird zurückgelassen, auf den Meeresboden sinken?

In einem Rekurs auf den italienischen Philosophen Giorgio Agamben, heißt es an einer Stelle im Stück: „Alte, Künstler, Behinderte. Sie alle werden zur Bedrohung für die Macht, wenn ihnen keine Aufgabe zu Teil wird.“ Wie daraufhin Traurigkeit in Freude umschlägt ist zwar nicht durchgehend überzeugend, hinterlässt aber bleibenden  Eindruck und die herausfordernde Frage, wann es sich endlich erübrigen wird, sich als Teil der Gesellschaft einfordern zu müssen, wann es ausreichen wird zu sagen: „die Aprikosenbäume gibt es, die Farne gibt es…“ Und uns alle gibt es, im Theater!