Festivalrauschen #7: Die Höhepunkte der Blog-Redaktion

Festivalrauschen #7: Die Höhepunkte der Blog-Redaktion

Elf Tage Festival liegen hinter uns. Was hat uns am meisten bewegt, berührt, beeindruckt? Zum Abschluss von No Limits 2o15 haben wir unsere Festival-Höhepunkte gesammelt.

Mein absolutes Highlight des diesjährigen No Limits Festivals ist „Ordinary Girl“ von Dennis Seidel. In langsamen assoziativen Szenen ist ihm als Modedesignerin Jolina eine atmosphärisch dichte Soloperformance gelungen, die mich an David Lynchs „Twin Peaks“ erinnert hat. Großartig!
Nick-J. Lehmann

Am ersten Abend stand bei „Horse: an opera“ ein riesiges Papppferd auf der Bühne, das gegen Ende der Aufführung in dampfendem Regen aufgeweicht wurde. Dieses Pferd stellte eine Gottheit dar, die nun langsam zugrunde ging. Gespannt konnte man zusehen, wie erst die Ohren abfallen, dann der Bauch durchbricht. Mit einem anmutigen Knicks ging es schließlich zu Boden und lag elegant verdreht in warmem Licht auf der Bühne.  Ein wunderschöner Anblick.
Evelyn Toma

Mein persönliches Highlight bei NO LIMITS 2015 war Michael Turinskys Doppel-Abend „heteronomous male“ in Verbindung mit „my body, your pleasure“. Faszinierend, diese Komposition aus ungeschönter Darstellung körperlicher Einschränkung und den Kampf gegen diesselbe im ersten und die Umdeutung jenes negativ konnontierten „Wackelns“ im zweiten Teil, hin zu einem ästhetischen Ausdrucksmittel von Sexualität. Schrill, neu, provokant.
Maditha Dolle

In „Subway to Heaven“ wird der Kern des Festivals auf eine amüsante Art zusammengefasst: das Theatermachen auf Augenhöhe. Mit  feiner Ironie und Parodie sorgen Thorsten Holzapfel und Martin Clausen für einen tollen Abend!
Alex Farias Gomes

Mein Highlight ist „Regie 2“ von Monster Truck. Spannend fand ich, dass zum Ende des Festivals noch mal die Tür zum Rest der Theaterwelt aufgemacht wird. Nach zehn intensiven Tagen mit Einblicken in die Szene und die momentane Entwicklung des „inklusiven Theater“ hat sich so noch mal ein ganz neuer Blickwinkel eingestellt.
Nadine Kaufmann

Neben Michael Turinsky und Julia Häusermann haben mich die beiden kurzen Choreografien von Danza mobile besonders beeindruckt. Weil da kraftvolle Bilder auf fließende Bewegungslinien treffen und man den Eindruck hat: Nur auf Aufenhöhe und miteinander konnten diese kurzen Momente tänzerischer Schönheit entstehen.
Georg Kasch

Mein größter Festivalmoment geht so: Tag 1 des Symposiums „Wen kümmert´s, wer spricht? 2“. Bei dieser, für alle Öffentlichkeit zugänglichen, Veranstaltung wurden mehrere Projekte präsentiert, an denen Menschen mit geistiger Behinderung als Regieführende, Schreibende oder Choreographierende beteiligt sind. Abgesehen von den einzelnen Projekten hat mich die Gesamtatmosphäre sehr beeindruckt. Der einleitende Vortrag von Dr. Yvonne Schmidt von der Züricher Hochschule der Künste sowie die erläuternden Worte von Michael Elber vom Theater Hora haben klare Regeln für das Publikumsgespräch formuliert. Durch diese Ausdrücklichkeit entstand für mich das Gefühl einer offenen Gesprächsbasis. Die gesprochene Rede wurde aus dem Englischen ins Deutsche bzw. umgekehrt, und aus dem Deutschen in einfache Sprache, simultan übersetzt. So waren alle Anwesenden in das Geschehen eingeladen. Von dieser Zugänglichkeit wiederum abgesehen, war die Veranstaltung eine durchwegs nach vorne gerichtete. Die aktuelle mediale und finanzielle Situation von Theater mit und von Menschen mit Behinderung wurde in positiv pragmatischer Weise thematisiert. Ich glaube felsenfest, dass Veranstaltungen wie „Wen kümmert´s, wer spricht? 2“ eine Aufmerksamkeit generieren können, die aus inklusivem Theater weniger eine Parole und mehr eine Tatsache machen.
Theresa Gindlstrasser