Hallo Dunkelheit

Hallo Dunkelheit

Das szenische Konzert „Sound of Silence“ mit Jan Plewka erkundet den Kosmos Simon&Garfunkel

Ein Bandmitglied nach dem anderen betritt die dunkle Bühne. Gekleidet in schwarz, mit dickem Buch unter dem Arm. Jeder setzt sich auf seinen Platz. Einer knipst das Tischlämpchen an und liest: 29. Oktober 1964, Brooklyn, drei Uhr Morgens: „Hallo Dunkelheit, mein alter Freund…“

"Sound of Silence" © Michael Bause

„Sound of Silence“ © Michael Bause

Schon jetzt ist klar: Dies wird kein gewöhnlicher Konzertabend. In „Sound of Silence“ überschreiten Jan Plewka und seine Band (Marco Schmedtje, Martin Engelbach, Dirk Ritz und Lieven Brunckhorst) die Grenze zwischen Konzert und Performance. Mit einer Choreografie aus schnipsenden Feuerzeugen geht’s los, zur gepfiffenen Melodie von „The Boxer“. Grelles Scheinwerferlicht überflutet die wuchtigen Paukenschläge nach dem berühmten „Lie la lie“-Refrain. Die Musiker, reglos-adrett, kontrastieren den satten Groove, und die riesige Discokugel über unseren Köpfen dreht schwerfällig ihre Runden.

Plewkas raue Stimme passt unverschämt gut in dieses Musiktheater (Regie, Bühne: Tom Stromberg). Songs aus dem Kollektivgedächtnis wie jene von Simon&Garfunkel würde man aber am liebsten selbst singen. Das weiß Plewka und er räumt seinen Platz: „Bridge Over Troubled Water“ tönt’s wohlig von den Rängen. Den Songtext lesen wir von Pappkartons ab – analoges Karaoke. Dann eine deftige „Mrs Robinson“: Crashende Becken, viel Toms, E-Gitarren-Solo. „Hey, hey, hey!“: Man möchte tanzen, doch der Saal ist bestuhlt. Plewka beobachtet seinen tobenden Gitarristen wie ein Lehrer. Beine übereinandergeschlagen, im cremefarbenen Sakko.

Dann der komische Höhepunkt des Abends: Plewka im Dialog mit Mrs. Robinson. Sie, die Verführerin aus dem Film „Die Reifeprüfung“ (1967), überdimensional groß auf der Leinwand: „Ich halte es nicht allein aus in diesem Haus!“ Und er, ganz klein, mit dem Mikrofon in der Hand: „Oh Gott, Mrs. Robinson, dieses Gespräch nimmt eine komische Wendung.“ Zum Schreien.

„Sound of Silence“ ist stilsicher und variantenreich. Musikalisch eigenständig, ohne zu verwirren. Berührend, nicht ohne die notwendige Ironie. Und ohne Ironie gehts nicht, wenn man Simon&Garfunkel covert.

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