Hoppla, ein Pferd!

Hoppla, ein Pferd!

Mit „Horse. An opera“ zaubern Tibaldus en andere hoeren ein bildgewaltiges Spektakel ins HAU1

Schon eine ziemlich lange Zeit macht das Universum so sein Ding. Hektisch stolpert der kleine Merkur um die Sonne, die Erde flappt in großen Kreisen außen herum, immer auf sie fixiert: ihr Mond. Unser ganzes Sonnensystem platscht, quietscht und schlurft in individuellen Laufbahnen über die Bühne. Bis plötzlich ein Komet herankracht und ein neues Zeitalter bringt: das Zeitalter des Papppferdes.

Die 14 PerformerInnen der belgischen Company Tibaldus en andere hoeren sind Meister des slowmotion slapstick. Mit reduzierten, aber akzentuierten Bewegungen und erwartungsschwangeren Pausen erzählen die PerformerInnen von einer Gemeinschaft, die durch die Ankunft des Pferdes eine neue Ordnung für ihr Zusammenleben sucht. Was jetzt? Hymnen singen? Was opfern? Eine Frau zum Beispiel? Ignorieren? Letzteres geht nur scheinbar ganz gut, denn obwohl das Pferd abseits im Dunkeln steht, scheint nun jegliches Geschehen mit ihm in unsichtbarerer Verbindung zu stehen.

Wie Menschen so sind, generieren sie tragisch-komischen Lebenssinn aus anfänglicher Absurdität. Ein Mann verwandelt sich in einen Hasen, der fröhlich durch sein Leben hoppelt, bis einer kommt und killt, ihn um ihn zu essen. Eine Frau, die von einem Mann in einer Einkaufstüte durchs Leben getragen wird, singt ihm nach dessen Tod ein einsames Klagelied in Endlosschleife, so lange, bis es zu einem wirklichen Gesang des Schmerzes wird. Der Abend kommt fast ohne gesprochene Worte aus, trotzdem ist die Bezeichnung Oper berechtigt. Das Loopen und Übereinanderlagern von Bewegungsabläufen erzeugt einen zähen, aber rhythmischen Sog. Den starken Bilder nachhängend hüpft man elegant über die gelegentlichen Sinn- und Zeitlöcher im Pferde-Universum hinweg.