Ich bin auch so, aber nicht nur

Ich bin auch so, aber nicht nur

Das Theater RambaZamba lädt zum offenen Theater-Workshop

Regelmäßig, also eigentlich jeden Monat, veranstaltet das Theater RambaZamba einen für alle Interessierten offen stehenden Theater-Workshop. Unter dem Titel „Unbeschreiblich weiblich“, also ausgehend auch von der hauseigenen Revue „Die Nacht der Diven“, machen Bianca Tänzer und Patrizia Carlucci zunächst gemeinsam, dann geteilt in die Gruppe Musik und die Gruppe Schauspiel eine Art Offenlegung und Einladung in die eigene Arbeitsweise an ihrem Theater.

Auch du kannst eine Diva sein!

Beim No Limits Festival war die Gruppe der Interessierten so groß, dass zunächst gar nicht klar war, ob ich denn auch da rein und mitmachen werde dürfen. Durfte ich dann doch. Habe beim gemeinsamen von Juliana Götze angeleiteten Warm-Up im Scheinwerferlicht auf der Studiobühne geschwitzt. Habe dann in der Gruppe Musik für „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen abgestimmt. Die Möglichkeiten lauteten außerdem: „Die fesche Lola“, „Seeräuber Jenny“, „Kinder, heute Abend, da such ich mir was aus“ und „Die wilde Mathilde“. Am Ende der Abstimmung war dann, gut so!, „Du hast den Farbfilm vergessen“ gewählt und wurde von der Gruppe Musik für das spätere Showing ausgearbeitet.

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Stimmung beim Musik-Workshop © Theresa Gindlstrasser

Die besagten Musikstücke kommen allesamt auch bei „Die Nacht der Diven“ vor, weshalb die am Workshop teilnehmenden Schauspielenden aus dem Ensemble für alle Interessierten (oder dann doch Schüchternen) zum sicheren Anhaltspunkt wurden. Für alle Teilnehmenden, von jugendlich bis alterwachsen, von Schule bis Universitäts-Studium Soziale Arbeit und mit und ohne Behinderung, suchten die Workshop-Leiterinnen Möglichkeiten der Teilhabe am Geschehen. So bekam ein Verweigerer der Rhythmus-Übung Lob für seinen Mut zum Widerstand. Starke Lieder von starken Frauen, so nannte Bianca Tänzer die Auswahl. Starke Lieder von starken Frauen, die auch alle anderen stark machen sollen, so stellt sich der Workshop im Ganzen dar. „Unbeschreiblich weiblich“ heißt nicht: nur für Frauen. Heißt aber: Auch du kannst eine Diva sein.

Männliche Gesten?

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Auch Männer sind Willkommen! © Theresa Gindlstrasser

Probier mal Hochstatus! Probier mal aufrechtes Sitzen! So lauteten denn auch die Hinweise in der Gruppe Schauspiel in der, weil mit Arbeitsmaterialien übervollen auch beengten Malerei des Theaters RambaZamba. Und dann: Probier mal Sitzen wie ein Mann! Ja, aha, das ist ein Satz, den verstehe ich nicht. Den will und werde ich auch nicht verstehen. Bei „Unbeschreiblich weiblich“ wird zumindest unterschwellig sehr intensiv unterschieden zwischen Männern und Frauen und allen diesen Eigenschaften, die zu den einen oder andern gehören sollen anscheinend. Nu, die Teilnehmenden der Gruppe Schauspiel haben demgemäß versucht Körperhaltungen zu imitieren, die gemeinhin als stark und im Wortlaut des Workshops auch als „männlich“ angesehen werden.

Nach zwei Stunden zielorientierter Arbeitsphase wurden die beiden Gruppen wieder zueinander geführt. Und alle haben gemeinsam, gut so!, „Du hast den Farbfilm vergessen“ performt. Das heißt, die Gruppe Musik hat gesungen, die Gruppe Schauspiel den Text mittels Gesten unterstrichen. Da saß ich dann am Rand und habe den anderen, von denen ich mit einigen in den kleinen Zwischenpausen schon Freundschaft geschlossen hatte, beim Showing zugesehen. Weil ich dieses Lied halt so sehr gerne mag und auch weil alle anderen sich augenscheinlich sehr wohl gefühlt haben mit dem Verlauf des Workshops, wurde ich dann fast schon wieder ein bisschen ausgesöhnt. Okay, dann bin ich halt auch mal so eine Diva. (Aber nicht nur.)