„Ich liebe meine Hände, denn meine Hände berühren das Geld“

„Ich liebe meine Hände, denn meine Hände berühren das Geld“

Das polnische Teatr 21 träumt in „Downfalls, Episode 2“ vom großen Geld

„Das ist Barbara Lityńska“ moderiert die fesche Zirkusdirektorin, „und für ihren ersten Hunni, den sie im Theater verdient, kauft sie sich-“ – „Eine Überfahrt mit der Titanic nach Schweden!“ Eine nach dem anderen turnen, stolzieren oder schleichen die Performer*innen der Theatergruppe Teatr 21 aus Polen hinter dem Glitzervorhang hervor und präsentieren sich wie Teilnehmer in einer Gewinnshow.

In „Downfalls, Episode 2“ gehen die 14 Performer*innen auf einen Roadtrip Richtung Glamour. Auf ihren imaginären Harley-Davidson-Maschinen heizen sie, begleitet von präzise-poetischen Texten, Gruppenchoreographien und Videoinstallationen, durch einen vielschichtigen Abend, der von Bedingungen, Vorstellungen, Aus- und Nebenwirkungen der Welt der persönlichen Finanzen handelt. 

Im Tal der Arbeits- und Mittellosigkeit beginnt die Reise. „Ohne Arbeit bist du nichts“, lässt uns Anna Łuczak wissen und wirft sich lasziv den Mantel vom Leib. Kopf nach unten. Die Reisenden kriechen schnüffelnd durch einen dichten Wald, auf der Suche nach den Scheinen. In der Mongolei erfüllt sich endlich der Traum vom Reichtum: Mit Eröffnung eines Hotels, all Inclusive, kommt das große Geld. Sie verlieren sich im dekadenten Rausch und finden sich zu energetischen Technobeats im Fitnesstudio des Konsums wieder.

Plötzlich geht das Licht an. Aus und vorbei! Die Truppe kommt wieder auf dem Boden der Tatsachen an: alles Spielgeld, alles nicht echt. Hier ist keiner reich, Teatr 21 hat nicht mal einen Ort zum Spielen. Alles nur wegen diesem Syndrom“. Geschickt wird die atmosphärische Reise gebrochen durch die Botschaft der Teatr 21 Performer*innen, die in die Gesamterzählung der Performance eingebettet ist: Teatr 21 hat keine eigenen Theaterräume, die Schauspieler erhalten keine Bezahlung. Ausnahme: Teatr-21-Mitglied Piotr Swend, der seit einigen Jahren in einer erfolgreichen polnischen TV-Serie mitspielt.

Aber alle wollen das Gleiche: reich werden mit ihrer Arbeit, Serienstars sein. Ein Ende der Serie „Downfalls“, das vermutlich durch die Erfüllung ihrer Forderung eingeleitet würde, ist nicht in Sicht. „Wer ist dafür, dass wir einen Kredit bekommen?“, fragt ein Performer charmant, der schon zu Beginn das Publikum mit seinen Liebespfeilen beschießt. Brav gehen die Hände hoch. Klar, Geld für Teatr 21, gerechte Entlohnung und Anerkennung der Arbeit, sind wir dafür! Zufrieden bestätigt er diejenigen, die zustimmen, indem er ihnen zuzwinkert. „Wer von euch gibt Teatr 21 eine Kredit?…Ich meine es ernst!“ War die Inszenierung nur ein guter Pitch? Ist das ein Produkt, in das man investieren sollte? Die gönnerhafte Solidarität ist enttarnt. In der Stille zeigen 14 imaginäre Pistolen in den Zuschauerraum, wo nun alle Hände unten sind. Doch dann wird auch diese Manipulation wieder aufgelöst. War doch nur Spaß.

Diese Reibungen werden spielerisch leicht erzeugt, ohne dass sich der Abend daran abarbeiten würde. Zwischen den goldenen Lamettafäden des Bühnenbildes bleiben die Widersprüche einfach hängen. Schon die ständige Anwesenheit der Regisseurin auf der Bühne, bedeutungsschwanger im Dompteursdress, steht der formulierten Forderung nach Selbstermächtigung der restlichen Ensemble-Mitglieder gegenüber. Und die Idee des Crowd-Funding unterlaufen die Teatr-21-Spieler mit den größenwahnsinnigen Träumen von unendlichen Reichtümern und Konsum.