Très chic

Très chic

„Mars Attacks!“, eine Zusammenarbeit von Theater Hora und Das Helmi, im Ballhaus Ost

Zwei Stunden lang ging die Vorstellung von „Mars Attacks!“ im Ballhaus Ost. Diese Zusammenarbeit von Theater Hora (Zürich) und das Helmi (Berlin) greift auf den gleichnamigen Film von Tim Burton zurück. Dort treffen Außerirdische auf US-amerikanische Gesellschaft, werden bewundert, veranstalten Gemetzel, müssen sterben wenn sie Country-Musik hören. Die Inszenierung verwurstet manche dieser Elemente, nimmt Abstand von der Dramaturgie des Films, interessiert sich mehr für die dort mittransportierten Komplexe Begierde und Katastrophe.

Jedenfalls war ich der Veranstaltung nach spätestens 20 Minuten verfallen. Da hatte ich eine Genesis-Nacherzählung und allerlei selbstreflexives Theater-Gespräch hinter mir und wahrscheinlich endlich den megamaximalen Anarcho-Trash-Faktor als Programm akzeptiert. Anarchisch ist die zunächst atemlose Aneinanderreihung und Verbindung von Inhalten, die mal mit der Vorlage in Verbindung stehen könnten, dann wieder gar nicht. Trashig ist jeder Bühnenvorgang und jedes Objekt, das an diesem Abend bespielt wird. Irgendwann verlangsamen sich die Geschehnisse und ein Woraufhin der Inszenierung wird absehbar. In immer neuen Enden äußert sich der Wunsch nach Liebe, Musik und Schönheit und die Ablehnung von Krieg, dem Ende der Menschheit und einer einfachen Oppositionslogik.

Hier Außerirdische, dort US-amerikanische Gesellschaft. Hier das Fremde, dort das Eigene. Hier die geistig behinderten Schauspielenden vom Theater Hora, dort die Schaumstoff-Figuren von Das Helmi. Hier Frauen, dort Männer. Alles das verwischt der Abend mit einer politisch immer nur wieder zu begrüßenden Wucht und einer ästhetisch von mir dann heiß geliebten In-your-Face-Attitüde. In-Your-Face, damit meine ich den achselzuckenden Umgang mit irgendwelchen Regeln des guten Geschmacks. Es gibt nämlich jede Menge Kitsch, dramaturgische Durchhänger und sowieso ein Zuviel an Ideen. Mit Konsequenz betrieben, durch ein politisches Anliegen motiviert, wird bei „Mars Attacks!“ aus trashig ein überschwängliches très chic.

4 Kommentare

  1. Alles im Rahmen - NO LIMITS · 10. November 2015

    […] der grenzenlosen Spielfreude und Lust an Improvisation, wie sie etwa bei den Schauspieler*innen des Theater HORA am Sonntag zu sehen war, ist hier weit und breit nichts zu spüren. Texte werden gesagt, weil sie gesagt […]

  2. Alles schief, normal eben! - NO LIMITS · 12. November 2015

    […] „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, „Mars Attacks“, „Human Ressources“ ist „Normalität. Ein Musical” (Regie: Nele Jahnke) die vierte […]

  3. "Einen Eistee, bitte!" - NO LIMITS · 14. November 2015

    […] die ich seit dem Kerr-Preis beim Berliner Theatertreffen 2013 besonders beobachte. In „Mars Attacks“ gibt’s diese Szene, wo Häusermann eine grobe Schaumstoffpuppe so behandelt, als wäre […]

  4. Berlin Rückblende | Theater HORA – Stiftung Züriwerk · 15. November 2015

    […] die ich seit dem Kerr-Preis beim Berliner Theatertreffen 2013 besonders beobachte. In „Mars Attacks“ gibt’s diese Szene, wo Häusermann eine grobe Schaumstoffpuppe so behandelt, als wäre es ihr […]