Welches Krokodil?

Welches Krokodil?

Buchpräsentation von Natalija Vladisavljević bei „Wen kümmert’s, wer spricht? 2“

Crocodile hunter
What kind of a hunter are you, where is that crocodile of yours hiding. He lives in the swamp should I kill him or let him go, even better I will let him go.
Roles:
Hunter: Moris
Crocodile: Dušan

„Die erste eigentlich postdramatische Autorin des serbischen Theaters“, so nennt Milena Bogavac die Theater-Autorin Natalija Vladisavljević. Für das Buch „sun upon a train carriage“ hat Bogavac, selbst Theater-Autorin, einen einführenden Text geschrieben. Dieses Buch ist 2014 auf Serbisch und Englisch erschienen und versammelt Kurzprosa von Vladisavljević, einer Autorin mit Down Syndrom. Veröffentlicht hat das Buch der Verein Per.Art aus Novi Sad in Serbien, der bereits öfter mit Natalija Vladisavljević als Theater-Autorin zusammengearbeitet und auch ihr erstes Buch veröffentlicht hat.

Beim Symposium „Wen kümmert’s, wer spricht? 2“ wurde am 6. November im Studio des Theater Thikwa besagtes Buch „sun upon a train carriage“ präsentiert. Der Schauspieler Markus Heinke hat deutsche Übersetzungen der Texte gelesen. Von Milena Bogavac wurde auch in diesem Rahmen versucht das Werk Vladisavljevićs zu kontextualisieren. Und Saša Asentić, Per.Art-Leiter, führte mit Natalija Vladisavljević ein Interview über die Entstehung ihrer Texte.

NO LIMITS - Internationales Theaterfestival 2015, Berlin

Natalija Vladisavljević (Mitte), Theater-Autorin mit Down Syndrom, mit Markus Heinicke, Saša Asentić und Milena Bogavac © Holger Rudolph

Diese Texte habe ich im ersten Absatz „Kurzprosa“ genannt. „Theatrale Kurzsequenzen“ könnte ich vielleicht besser sagen. Jedenfalls sind es keine Gedichte, auch keine längeren erzählenden Texte. Sondern Szenen von einer Länge zwischen 2 und 20 Sätzen. Die Figuren in diesen theatralen Kurzsequenzen unterscheiden sich nicht anhand der Angabe von Namen und darauffolgenden Sätzen in Anführungszeichen. Erst am Ende des jeweiligen Textes kommt der Hinweis auf die darin vorkommenden Rollen. So ist nie ganz klar wer spricht, oder ob jemand spricht und dieser Zweifel kennzeichnet nicht nur den Übergang von einem Satz zum anderen, sondern auch den Satzbau eines jeden Satzes. Es verschwimmen die Figuren und es verschwimmt die Grammatik. „Verschwimmen“, das wiederum ist wahrscheinlich ein gutes Wort um die Traumlogik der Texte von Natalija Vladisavljević vorstellbar zu machen. Ein Satz schwimmt in den nächsten und eine Figur in eine andere hinein.

Die zu Beginn dieses Textes stehende Szene „Krokodil Jäger“ in einer Übersetzung von mir:
Was für ein Jäger bist du, wo ist dieses Krokodil deines versteckt. Er lebt im Sumpf soll ich ihn töten oder ihn gehen lassen, noch besser ich werde ihn gehen lassen.
Rollen:
Jäger: Moris
Krokodil: Dušan

Über ihr Verhältnis zum Theater befragt, erklärte Natalija Vladisavljević, dass es weder schön, noch kultiviert sei, das Leben zu imitieren. Die 1973 in Novi Sad geborene Autorin gab außerdem an, durch den Aufenthalt in Berlin zu neuem Schreiben inspiriert worden zu sein. Laut Milena Bogavac sei dieses Schreiben für Vladisavljević keine Arbeit im anstrengenden Sinne des Wortes, vielmehr eine leichtfüssige Angelegenheit. Wie ein leichtfüssiges Zusammentreffen von Beobachtung und Kommentar, so lesen sich auch die Texte.