Zum Festival-Schluss: Die besten Fünf der Blog-Redaktion

von Gesche Beyer, Paula Birnbaum, Julia Dettke, Janina Henkes und Georg Kasch

In ihrer halbstündigen Kunstaktion um die fliegende Roberta fegt Anne Tismer mit ihren knallbunten Strickwürsten über die Bühne und wirbelt die Zuschauer schließlich aus dem Theatergebäude an die freie Luft hinaus. Mit kreativer Kraft und kindlicher Spielfreude zerreißt sie den Mantel der Vernunft, in den wir unsere Bequemlichkeit einhüllen und macht uns zu wagemutigen Fallschirmspringern – zumindest einen Abend lang. G.B.

Schattenbilder tanzen an der Wand, verschwimmen miteinander – die Tänzer auf der der Bühne verschmelzen, atmen als ineinander verschlungener Haufen einen Takt, sie wiegen sich und wirbeln einander durch die Luft und erzählen mit jeder Drehung, jeder Abwendung eine Geschichte von Freundschaft und Begegnung. Danza Mobile, mein Festivalhit! P.B.

Was haben ein von vier wildgewordenen ‚Freaks‘ mit Handicap entführter britischer Popstar, eine afrikanische Fußballmannschaft aus Einbeinigen, eine fantasiebegabte Blinde und die solidarisch-humorvolle Reise zweier schwedischer Freunde mit geistiger Behinderung gemeinsam? Sie alle sind Protagonisten der Kurzfilme, die bei Look&Roll gezeigt wurden. Schon der Titel ist ein bisschen gewagt, gerade im Vergleich mit denen der Theaterinszenierungen, aber er geht voll auf. Auch deshalb, weil die Filme dem coolen Gestus ihrer Ankündigung gerecht werden und einmal mehr auf diesem Festival die Grenzen sprengen, gleich dreifach: zwischen Kontinenten, Genres, unterschiedlichen Körpern. Denn anders als im Theater kann im Film der Blick gelenkt, Gewohntes spielend leicht als ungewohnt, Unbekanntes als vertraut gezeigt werden. Look’n’roll, Baby! J.D.

Diese Damen blauen Blutes reißen mit: Die Königinnen von morgen zelebrieren ihr Reich mit Instrumenten und Stimmkraft. Ihre Selbstironie, die Verführung und das Veräppeln des Publikums lassen die Herzen trommeln. Sie schmettern ihren schweizerischen Adel voller Komik heraus und rebellieren gegen die Vorurteile des Übergroßbürgertums. J.H.

Ein Antimärchen, ein bildgewaltiges: Aschenputtels Terrorschwestern verbergen sich in Fettpolstern und schicken ihr Opfer in Hänsel und Gretels Wald, wo wölfische Grausamkeit wartet, die kein sexbessener Märchenprinz wettmachen kann. Back to Back legen in Food Court ihre Mittel offen, die künstlichen Töne, die gewaltig präsenten Leiber. Und dennoch regiert die Magie des Theaters. Behinderte Schauspieler taugen nicht zur Identifikation? „Food Court“ beweist das Gegenteil. G.K.

2 Kommentare

  1. kathrin · 22. November 2011

    Mein nachträglich schönstes Erlebnis ist der Blog und wie er uns ermöglicht so lange wir wollen diese wunderbar, verrückten zehn Tage wieder zu erleben und durch unsere Kommentare zu beleben… Danke euch fleissigen Schreiberinnen…

  2. Anonymous · 21. Juni 2013

    Hab den Blog auch immer gerne verfolgt! Tolle Idee. War jetzt schon das 3. Jahr in Folge auf dem Grenzenlos und es gefällt mir einfach das Konzept so gut. Könnt ja mal in den Link schaun, hab noch ein paar Bilder gefunden – so als Andenken! Lg, Tessa