Zum Festival-Schluss: Die besten Fünf der Blogredaktion

Zum Festival-Schluss: Die besten Fünf der Blogredaktion

Natürlich sind wir Blogger keine Jury, sondern eine Gruppe aus lauter Individuen mit unterschiedlichem Geschmack. Deshalb hier keine Top 5, sondern die persönlichen Höhepunkte aus zehn Tagen Festival:

Knallbuntes, schillerndes und ergreifend-tragisches Traumtheater zeigt das Blaumeier-Atelier mit seiner Inszenierung von „Orpheus und Eurydike„. Übermütig und verloren zugleich irren die Schauspieler auf einem mal heiter-temporeichen, mal schleichend sehnsüchtigem Klangteppich über die Bühne und lassen die Grenzen zwischen Lebens- und Unterwelt verschwimmen. So werden die Zuschauer in einen zeitlosen Raum jenseits von Tod und Leben katapultiert, in dem die Idee einer unsterblichen Liebe wie ein süßer Bonbon im Mund zerschmilzt – mein persönlicher Höhepunkt des Festivals.
Gesche Beyer

Qualitätskontrolle“ hat mich überzeugt. Weniger wegen dem Konzept von Rimini Protokoll, sondern wegen der packenden Lebensgeschichte Maria-Cristina Hallwachs’. Während der gesamten Aufführung saß ich bewundernd da, unterhalten und berührt zugleich. Hallwachs’ Geschichte wirkte aber nicht nur während der Aufführung. Ihre Lebensfreude und Lebensbejahung begleitete mich bis nach Hause. Derart den theatralen Rahmen zu sprengen schaffen wirklich nur wenige Abende!
Elena Lynch

4:3“ von Tibaldus en andere hoeren und dem Theater Stap ist eine witzige Komödie, die nicht zum Schwank verheizt wird. Die Geschichten sind einfach, ungeschminkt, ein wenig entrückt und leicht verschleiert – nur knapp greifbar statt wie so oft aufgezwungen. Heißt: keine Materialschlacht, keine verfratzte Pantominik, nix – nur das Wichtigste wird erzählt, destilliert, nüchtern. Das wirkt unaufdringlich, trotz Klamauk. Tibaldus lässt seinen Darstellern Zeit und Spielraum – gerade dem Stap-Ensemble scheint das ausgezeichnet zu passen. Das Resultat ist jedenfalls sehr ausgewogen: langsam, physisch, unverkopft.
Benedikt Wyss

Agathe Chions „Ich liebe dich, du teuere Freiheit!„. Wegen des Meskalinrauschs. Und weil Kerstin Grassmann und Norbert Müller schlicht großartig sind.
Lukas Gmeiner

Ein Phantom: „Fat“ musste entfallen, weil Performer Pete Edwards im Krankenhaus liegt. Allerdings war selbst die Projektion dieses Abends beeindruckend und fordernd. Dass sich da jemand unaufhörlich bewegt, mit dem gesamten Körper um jedes Wort zu ringen scheint, sich Realität und Fantasie schmerzhaft aufspalten, nervt und schmerzt und lässt einen nicht los. Dass Mitleid mit dem schwulen Spastiker, der im Stück seinen Traummann nur dort, im Traum, findet, nicht angebracht ist, zeigte das anschließende Gespräch mit Co-Regisseur Michael Achtmann. Auf die Frage, ob Edwards am schwulen Leben teilnimmt, antwortete er: „Er findet seine Wege.“ Wieder was gelernt – über die eigene Beschränktheit.
Georg Kasch

(auf dem Foto: Georg Kasch, Lukas Gmeiner, Gesche Beyer und Benedikt Wyss beim Blog-Workshop mit Raul Krauthausen von leidmedien.de, © Holger Rudolph)

5 Kommentare

  1. Benedikt Wyss · 19. November 2013

    …ich finde Kerstin Grassmann und Norbert Müller auch schlicht großartig.