Bundesverdienstkreuz am Sprachrand

Ein Schlaglicht vom Symposium „Die Neoprofis“

Wolfgang Fliege und Dominik Bender © Juli Zucker

Wolfgang Fliege. Rotes Käppie. Schauspieler. Geistig behindert. Rote Fliege. Schon bei der Begrüßung der Symposiums-Gäste lacht er herzlich an völlig unpassenden Stellen und ruft dazwischen. Und bald lachte das Publikum mit.

Fliege sollte von Dominik Bender vorgestellt werden. Bender ist sein Freund und Kollege. Eine gemeinsame Produktion war „Kafka am Sprachrand“ im Theater zum Westlichen Stadthirschen. Doch Fliege lässt nicht viel faktische Vorstellung von Dominik zu, er zeichnet durch agieren sein ganz eigenes Portrait von sich.

Zur Begrüßung fordert er erstmal das Bundesverdientskreuz. Stellt dann den jüngeren Dominik Bender als seinen Vater vor und flirtet vom Rednerpult mit Benders Frau: „Du hast die liebste Frau der Welt“. Fliege unterbricht so amüsant und ausgelassen, dass man als „Zuschauer“ mitgerissen werden muss: Die Diskussionsrunde wird zur Showeinlage. „Was ist dein Beruf?“ fragt Bender, Fliege entgegnet locker: „Musiker“. „Was noch?“ „Deine Frau ist so goldig!“ Bender antwortet irgendwas und kriegt nur ein souveränes „Halt Dich da raus, Vater!“

Ein Ausschnitt der Produktion „Kafka am Sprachrand“ wird eingespielt, Fliege steht neben der Videoleinwand und kommentiert eifrig, teilweise spricht er die Stücktexte vorher, teilweise unterbricht er: „Das habe ich doch schon gesagt.“ Was ja auch stimmt. Die charmante Art, mit der Wolfgang Fliege die geplante Vorstellung seiner Person sprengt, charakterisiert ihn besser, als jede Vorstellung durch eine dritten Person sein könnte. Vielen Dank, Herr Fliege!