Ein Traum, der schon mal geträumt wurde

Ein Traum, der schon mal geträumt wurde

Fragen an „Food Court“ des Back to Back Theatre

Von der Bühnendecke hängt eine halbtransparente Leinwand herab, hinter der die Darsteller nurmehr als undeutliche Silhouetten erscheinen. Ihre Körper bleiben schwarze Schatten in einem Raum aus weißem Licht; sie umringen einen nackten Leib, der ihnen hilflos ausgeliefert ist.

Was soll das? Warum erkennt man so wenig und spürt doch voll Unbehagen, dass diese Szene aus „Food Court“, der Bühnenshow des Back to Back Theatres, einen Gewaltakt darstellt?
Was hat es auf sich mit dieser Kunststoffwand, in deren Dunst die Darsteller im zweiten Teil der Show zu verschwinden scheinen?

Macht sie die Gewalt sichtbar, wie sie nur im Verborgenen ausgeübt wird? Die Gewalt in ihrer Unsichtbarkeit also?
Ist sie Ausdruck unserer eigenen Abwehrhaltung, die wir einnehmen, wann immer wir zu Zeugen eines Gewaltaktes werden?

Lässt sie das Spiel auf der Bühne als Spiel unserer verdrängte Ängste erscheinen, die sich aus unserem Unterbewusstsein einen Weg an die Oberfläche bahnen?
Oder verkörpert sie die unsichtbare Trennlinie, die im etablierten bürgerlichen Kunsttheater zwischen Bühne und Zuschauerraum gezogen wird? Ist sie also die materialisierte „vierte Wand“?

Dient sie dazu, die wirklichen Leiber der Darsteller zu verschleiern, sodass nur die fiktiven Körper (Schatten) zurückbleiben? Der Text, den die Figuren sprechen, ist in jedem Falle deutlich von der halbtransparenten Leinwand ablesbar. Dieser Text – abgetrennt vom Leib des Schauspielers – ist reine Fiktion.
Die Schatten sind also nicht echt (so ließe sich schlussfolgern). Ihre Gräueltaten sind fiktiv, bloße Phantasieprodukte einer perversen Vorstellung, vielleicht auch einem Alptraum entsprungen.
Es ist das verstörende Gefühl, den Traum bereits einmal geträumt zu haben, der ihr Spiel derart beklemmend macht.

Am Ende wird der Schleier – im wahrsten Wortsinne – gelüftet. Die Trennlinie zwischen der fiktiven Welt auf der Bühne und der realen Welt im Zuschauerraum wird aufgehoben, nur ein einziger leerer Raum bleibt zurück, nur der wirkliche Leib der Darstellerin, zum Greifen nah.
Dieser Moment, bevor sich der Vorhang schließt: das Aufschrecken aus dem Schlaf, das Erwachen in einem zeitlosen Raum, dem der Traum noch anhaftet.