Feuer, endlich

Feuer, endlich

„Weiberrevue XL oder wenn die Weiber die Macht ergreifen“ im Theater RambaZamba

Beim Betreten der Bühne küsst sie ihr Cello, sagt: „Ich liebe dich“. Der Musikerin wird ein Bogen gereicht, „ein Zauberstab“. Sie tänzelt über die Bühne, schwingt den Bogen und ruft: „Ich freue mich“. Hinter einer transparenten Stoffwand stehen andere Darstellerinnen im erstarrten Zustand. Langsam beginnen sie, sich mechanisch zu bewegen. Schon bald herrscht RambaZamba auf der Bühne; es leuchtet die Energie! „Ich will eine wilde Frau sein“, verkündet die Darstellerin – und verwandelt sich in die wilde Mathilde.

„Weiberrevue XL“ heißt dieser Abend des RambaZamba-Theaters. Er pulsiert von Musik, mal sanft, mal schwülstig, mal rockig: „Die wilde Mathilde Ist dreißig Jahre alt Und immer noch im Bilde Und noch kein bisschen kalt. Die wilde Mathilde, Wenn die dich mal betrügt, Führt sie nichts im Schilde, Du hast halt nicht genügt.“

Eine karnevaleske Parade beherrcht die Bühne, eine Walpurgisnacht, die schwebt und bebt. „Komm und gib mir endlich Feuer!“, bittet eine Darstellerin ihren Gefährten, und während ein Sänger anhebt mit „Light my fire“ von den Doors, wiederholt sie beim Refrain harsch: „Komm und gib mir endlich Feuer“.

Eine weitere Schauspielerin singt über ihr Dasein: „Ich bin frisch wie Lola“. Bald schlemmt eine Schar von Darstellern an einem gedeckten Tisch mit Trauben, Birnen, Äpfeln und Sekt. Ungeniert spuckt die wilde Mathilde die Kerne der Trauben aus. Nun kippt sich einer ordentliche Schlucke aus der Sektflasche hinunter. Er rülpst. Darauf antwortet das Jodeln einer anderen Darstellerin. Als würden sich Xena und Hercules am Tische des Abendmahls oder bei Evas Verführung treffen.

Viele der Witze sind kurios, absurd und riskieren zuweilen ins Flache abzudriften. Das Ensemble federt allerdings jede Untiefe ab. Die 26 Darsteller und Musiker haben Spaß auf der Bühne, und es macht Spaß, ihnen zuzusehen. Sie sprühen vor Dynamik, Leben und Freude.

Mit Staubwedel bewaffnet entern Männer das mythische Beisammensein. Schwebend und schmunzelnd putzen sie klinisch genau die Bühne. Werden hier noch Genderschemata ad absurdum geführt, protzen im nächsten Moment halbnackte Männer vor Mathilde, pumpen ihre Muskeln. „Trainieren!“, befiehlt sie. Die Männer gehorchen und versuchen nun auch sie singend zu betören. „Will ich nicht! Will ich auch nicht!“, mustert sie der Reihe nach aus. „Ich will Frauen!“, versichert sie. Die bunt geschmückten und phantastisch barock gekleideten Damen schlenkern hinein. Eine ergreift das Mikro und singt Nina Hagen. Und wenn nun kein Mensch uns glaubt „wie schön’s hier war ahaha“, wir wissens!