Hasstiraden, die nicht enden wollen

Hasstiraden, die nicht enden wollen

Mit „Food Court“ eröffnen das Back to Back Theatre und The Necks das NO LIMITS Festival

Bedeutungsvoll fahren die Töne eines Kontrabasses durch den Raum, dazu kommen leise Klaviertöne, später ergänzt ein Schlagzeug die Musik, leise, dann allmählich sich steigernd. Unermüdlich und pausenlos begleitet die Band The Necks das Back to Back Theater, das mit ihrem Stück „Food Court“ das NO LIMITS Festival eröffnete – ein Stück über die Demütigung eines Menschen, die im Totschlag endet.

Eine junge Frau mit Gehfehler wird von zwei korpulenten Neiderinnen bedrängt, die ihr selbst Fettleibigkeit und Dummheit unterstellen. Hinter einer Schattenwand zwingen sie sie dazu, sich nackt auszuziehen, zu tanzen; sie wird geschlagen und getreten, bis sie tot am Boden liegt. Als im Wald mit seinen schattenhaften Baumprojektionen schließlich der Märchenprinz auftaucht, bedrängt er sie sexuell. Am Ende verschwindet die Schattenwand, die Protagonistin steht alleine auf der Bühne und starrt ins Publikum, wortlos.

In „Food Court“ geht um die Unfähigkeit zu kommunizieren: Die Protagonistin ist stumm, kann sich nicht gegen die Angriffe ihrer Gegenspieler wehren. Zu Beginn wird ein Mikrophon zwischen den Neiderinnen und der Protagonistin hin und hergereicht – aussichtslos: Das Mädchen bringt keinen Ton heraus.

Pausenlos begleitet die Band The Necks im Orchestergraben mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug die Inszenierung intensiv und detailliert, vergegenwärtigt die Stimmung auf der Bühne und hebt besondere Elemente hervor. Texteinblendungen auf Englisch und Deutsch vermitteln den Text, weil die nuschelnden Schauspieler, zumal mit australischem Dialekt, kaum zu verstehen sind.

Während die Inszenierung visuell und akustisch beeindruckt, erscheint das Ende fraglich. Die sehr in die Länge gezogene Tanzszene der nackten Protagonistin hinter der Schattenwand bricht mit der Aufführungsweise, wirkt abstrakt und störend, ebenso der Moment, als sie – bereits tot – sexuell bedrängt wird. Hier verliert das Stück seinen brutalen Witz und driftet in Hasstiraden ab, die nicht enden wollen.