Hitler und Helden

Ein Schlaglicht vom Symposium „Die Neoprofis“

„Was Hitler nicht geschafft hat, schaffen heute die Schauspielschulen!“ – als Bruno Cathomas bei der Diskussionsrunde über die Kompetenzen eines Schauspielers auf dem Symposium Die Neoprofis seine Eindrücke von dem letzten Treffen der deutschen Schauspielschulen wiedergibt, regt sich trotz des gewagten Vergleichs kein Widerstand. „Die Schauspielstudenten sind alle blond und blauäugig“, so seine These. Künstler, seien es Neo-Profis (also nicht mit Diplom ausgebildete Schauspieler) oder andere, die von der gängigen Norm abweichen, spielten im hierarchisch strukturierten Staatstheaterbetrieb nach wie vor eine eher marginale Rolle.

Cathomas hatte mit seiner Bemerkung, er habe anfangs geglaubt, wegen seiner Legasthenie zum Symposium eingeladen worden zu sein, ohnehin die Sympathien auf seiner Seite. Er wies aber auch darauf hin, dass er selbst zu Beginn seiner Schauspielausbildung keine Aussicht darauf gehabt habe, jemals einen Helden zu spielen. „Ich musste mich von vorneherein in der Sparte für Komik eintragen“, erzählt er, der mit seiner Leibesfülle nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Mit der Pointe, dass er inzwischen alle Helden-Rollen gespielt hat.

Seine Überzeugung „Jeder hier im Saal kann einen Helden spielen!“ ging im Publikum problemlos durch. Nur für seine Bemerkung, dass körperbehinderte Schauspieler doch schon eine Art Normalität auf der Bühne seien, gab’s Widerspruch. Obwohl sich die Arbeit mit Neonprofis allmählich auch diesseits der Off-Theater durchzusetzen beginnt, ist es zur Selbstverständlichkeit auf deutschsprachigen Bühnen noch ein langer Weg. Dass der mit der Ausbildung beginnt, hat Cathomas klar benannt. Wie die aussieht und aussehen könnte, wird morgen diskutiert.