Im Gleichklang der Krücken

Im Gleichklang der Krücken

Die Grupo Dancancdo com a Diferenca zeigt „Desafinado“ im Kesselhaus

Lautlos gehen Silhouetten mit Krücken über die Bühne, von links nach rechts und wieder zurück. Neun Personen wandern in weißen Gewändern hin und her, man erkennt nicht viel. Plötzlich stoßen die Krücken hörbar auf den Boden, unerwartet ein Takt. Im Einklang marschieren die Darsteller fast mechanisch, sie reißen ihre Krücken hoch, schlagen sie gegeneinander. Ein Takt, noch ein Takt, ein weiterer legt sich drüber.

In „Desafinado“ (Verstimmt) der portugiesischen Grupo Dancando com a Diferenca treffen behinderte auf nicht behinderte Darsteller. Sie kämpfen, streiten, harmonieren, machen Musik, tanzen und verlieren sich. Ohne Mono- oder Dialoge erzählen sie von Wut, Zweisamkeit und einem Miteinander, das keine Worte braucht. Mit Stimmen und dem eigenen Körper produzieren sie Töne und Laute, die im Klang mit Partnerlauten Melodien ergeben. Dann folgen wilde Gestikulation und Stimmgewirr, eine kleine Beatboxepisode, wieder Gesang und Streitgespräche, die rein auf Sch-Lauten basieren – die Darsteller spucken sie nur so vor sich hin.

Das Wechselbad der Gefühle, in das die Akteure sich und das Publikum hier werfen, funktioniert mit den einfachsten Mitteln. Sie trommeln auf einer großen Holzkiste, man spürt die Wut am wilden Takt. Sie werfen ihre Gehhilfen gegeneinander, man spürt die Bissigkeit, die in ihren Gesten liegt. Ohne viele Worte und ohne Ernsthaftigkeit zu verlieren schafft es das Ensemble, das Publikum zum Lachen zu bringen. Mit überschaubaren Mitteln endet das Theaterstück auch: Triangel, Keyboard, Stimme und Raspel vereinen sich im Wohlklang, bevor die Grupo den wohlverdienten Applaus einheimst.

1 Kommentar

  1. Anonymous · 19. November 2011

    …ach schade, jetzt ärgere ich mich, dass ich das verpasst habe.war schon so begeistert von Danza Mobile!Wer hat es noch gesehen? War das ähnlich gut? Schöner Text, überhaupt der ganze Blog ist toll!