Matrosenkuss

Matrosenkuss

Heute Abend bei NO LIMITS: RambaZamba mit der „Weiberrevue XL“

„Skandal um Rosi“, schallt es aus dem Theatersaal. Ein Matrose drückt mir ein Küsschen auf die Wange: „Tschuldigung, ich habe heute so gute Laune“. Der erste Unterschied zu einer Hauptprobe mit „normalen“ Schauspielern. Da würde mir wohl niemand ein Küsschen geben.

Hier, im Theater Ramba Zamba, haben die meisten Darsteller das Down-Syndrom. Das merkt man, klar, auch äußerlich. Aber viel mehr an der Atmosphäre, die hier herrscht. Die haut mich um. In der Probe der „Weiberrevue XL“, die heute und morgen beim NO LIMITS Festival gezeigt wird, strahlen die Flamenco-tanzenden Downies um die Wette. „I can‘t get no satisfaction“, spielt die Band – das glaube ich ihnen nicht. Die ganze Probe strahlt Zufriedenheit und Einklang aus, auch wenn Gisela Höhne, die Regisseurin und Mitbegründerin des Theaters, ab und an von ihrem kleinen, mit leeren Kaffeebechern bestückten Regiepult ruft: „Konzentration bitte“ oder „Wir haben keine Zeit!“

Die Probe pulsiert, inspiriert, ist dabei aber absolut professionell. Höhne ist eine energische Frau, die offensichtlich weiß, was sie will. Sie hat den Verein Sonnenuhr und damit die Kunstwerkstatt in der Kulturbrauerei 1990 zusammen mit ihrem Mann Klaus Erforth auf die Beine gestellt. Seitdem räumen die sechzig Darsteller der zwei Ensembles Preise ab. Diese Probe zeigt, dass es sich dabei um keine Mitleidspreise handelt.

Für ihr Engagement wurde Höhne das Bundesverdienstkreuz verliehen. Aber auch die Schauspieler sind gefragt: Film- und Fernsehproduktionen kloppen sich um die Darsteller, oft müssen sie Produktionen aus zeitlichen Gründen absagen. Nächste Woche etwa geht RambaZamba einmal mehr auf Tournee. Dennoch bleiben sie im Festival-Fokus: Ihre Bühne in der Kulturbrauerei ist eine der Hauptspielstätten von NO LIMITS 2011.