Zwanzig Jahre Normalität

Die Belgierin Béatrice Jaquet unterstützt den Stoff-Künstler Pascal Tassini

Béatrice Jaquet und Pascal Tassini beim Ausstellungs-Aufbau.

Stoffe schlängeln sich entlang der Säulen und um Stühle. Auf dem Boden des RambaZamba-Proberaums in der Kulturbrauerei liegen bunte Fetzen. Hier eröffnet am Samstag eine Ausstellung des bildenden Künstlers Pascal Tassini. „Super Belgium“ zeigt eine große Installation, malerische Kunst und dazwischen Leinwände, auf denen Filme projiziert werden. „Die Installation besteht aus Stoff, dem Material, dem Pascal endlos verfallen ist“, sagt Béatrice Jaquet, die den Künstler mit Down-Syndrom beim Aufbau unterstützt.

„Für mich ist es Alltag mit Personen mit Behinderung umzugehen“, berichtet Jaquet. Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie für den gemeinnützigen Verein Centre de Jour Créahm Liège (Belgien). Ein Ort, an dem täglich Menschen mit Behinderung begleitet werden und künstlerische Arbeiten schaffen. Auf meine Frage, welche Position Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zugewiesen würden und auf welche Resonanzen sie bei ihren Mitmenschen stoße, zögert sie: „Einerseits ist es für mich nach etwa zwanzig Jahren ganz normal, mit diesen Menschen zu arbeiten, andererseits betrachten Menschen, denen ich von meiner Arbeit berichte, mich als tapfer.“ Diese Ansicht teilt sie nicht: „Ich sehe eben auch ihre Stärken und Talente. Mich freut ihre Authentizität. Was ich an Unterstützung und Hilfe anbiete, kommt in einem mindestens so großen Maße in anderer Form von ihnen zurück“.

Zu schildern, wie der Umgang in der Gesellschaft mit Behinderung ist, fällt ihr schwer, da sie selbst in diesen Kreisen zu Hause ist. Kritisch äußert sie sich zu der aktuellen Diskussion über die pränatale Diagnostik: „Wird der Mensch in irgendein Schema gegliedert, das sich nach Produktivität und Leistungsgehalt orientiert? Als ob ein Mensch mit Behinderung minderwertig sei!“ Sie empfindet eine Bereicherung durch das Zusammenleben mit Menschen mit Behinderung. „Wir lernen eine Menge von ihnen!“